"Kilometermachen" in den Bergen

Vor kurzem war ich in einem hervorragenden steirischen Buschenschank und hörte einem Gespräch am Nebentisch zu, das Pensionisten (männlich und weiblich) führten. Es ging darum, wer mehr Kilometer am Berg mache und manche am Tisch verkauften sich als regelrechte "Marathon-Wanderer" begleitet mit Geschichten von 20 Kilometer-Wanderungen  in der und der Zeit. Ich saß daneben und dachte mir, Wahnsinn, jetzt haben sich sogar Pensionisten schon freiwillig unter das Diktat "Immer schneller, höher, weiter" gestellt. Doch wohin führt das, und ist es Sinn und Zweck des Bergwanderns, keuchend und mit heraushängernder Zunge die Berge abzulaufen, um dann bei Freunden und Bekannten damit zu prahlen?  Für mich ist das Wandern Einswerden mit der Natur, Meditation, Innehalten, Praktizieren von Achtsamkeit, innere und äußere Schau, Reifung von Gedanken, echtes Gespräch mit dem Wanderpartner/der Wanderpartnerin, Sorgen im Tal lassen, Anpeilung eines Zieles, Gehen/Klettern im Flow-Zustand, Erreichen dieses Zieles, Zeit zum Trinken und zum Essen haben/nehmen, Begegnung mit Pflanze, Tier und Mensch auf Augenhöhe, Respekt vor der Natur, moderate, körperliche Ertüchtigung usw. ... aber definitiv nicht Hetze, Tunnelblick und Möglichkeit zur Angeberei (Nebenbemerkung: Prahlgehabe war mir schon als Kind stets suspekt und zuwider). Auch darf nicht vergessen werden, dass Hetze am Berg vielleicht noch bei Hitze vor allem für ältere Menschen tödlich sein kann. Und für was? Keiner klatscht dann für das besonders schnelle und weite Gehen. Das Bergwandern ist wertvolles Therapeutikum für Leib, Seele und Geist, auch die Gedanken sprießen bei moderater Belastung und angenehmer Begleitung. Lasst uns das Wandern, die Zeit am Berg also wirklich genießen und dankbar sein für unsere österreichischen Berge und unseren Hausberg, den Wechsel.